Häufig gestellte Fragen

Antworten rund um die Gründung eines Schulwaldes

 

Ich möchte mit meiner Klasse in den Wald. Wie setze ich meine Idee um?

Ob in ihrer Umgebung schon eine Schulwald oder ein grünes Klassenzimmer besteht, welche mitgenutzt werden können, oder bei dem Wunsch einen eigenen einzurichten, helfen wir gern. Zudem bieten unsere Waldpädagogen Fortbildungen zum Thema, Schulwald, StartUP Waldpädagogik, die Klimakönner und Unterricht im Wald an.

 

Gibt es schon solche Waldklassenzimmer in Bayern?

In Bayern steigt die Anzahl der Schulen die im Wald unterrichten deutlich an. Ein erster Arbeitskreis wurde bereits in München gegründet. Gerne vermitteln wir (DSGVO-konform) den Kontakt.

In den skandinavischen Ländern ist der Besuch im Wald ein fester Bestandteil der schulischen Bildung. Hier werden standardisiert alle Kernfächer, wie Mathematik, Sprache, Heimat und Sachkunde oder Erdkunde im Wald unterrichtet. Wir konnten viel von diesen Konzepten lernen und manches auf bayerische Verhältnisse anpassen. Nicht desto trotz müssen wir uns sehr viel selbst erarbeiten.

Fernsehbeitrag zu innovativen Lernideen ZDF-PlanB: Zwischen Wald und WLAN

 

Wie darf ich das Material verwenden?

Das gesamte Material ist durch die Linzenz: CC BY NC geschützt. Alle Rechte liegen also bei den Verfassern. Eine kommerzielle Nutzung ist vollumfänglich untersagt und wird zur Anzeige gebracht. Hier der Linzenzvertrag. Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten, Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen

 

Wie könnte eine Unterrichtseinheit der Kernfächer im Wald aussehen?

Methoden und Artikulationsschemate finden sie hier.

 

Wie sind denn die Aktionspartner (Waldpädagogen) vernetzt und wie kommen diese an Aufträge? Wie können sie angemessen finanziert werden?

Die Vernetzung der Waldpädagog*innen findet innerhalb des Waldpädagogik-Netzwerks Bayern statt. Zudem erstellen wir gerade eine Liste aller Schulen mit einem Waldklassenzimmer in Bayern. Die Waldpädagog*innen können dann auf die Schulen zugehen und sich anbieten. Entsprechende Schulungen für Waldpädagog*innen finden 2021 statt.

Die Waldpädagog*innen bekommen ihre Aufträge durch selbstständige Akquise. Auch hierzu wird es 2021 Fortbildungen geben.

 

Gibt es viele Schulen die mit Waldpädagogen kooperieren? Wie sind die Erfolge?

Ja es gibt diese Kooperationen bereits. Besonders gut klappt es, wenn Schulen einen Schulwald haben. Dann stehen gleich die Zuständigkeiten und Ansprechpartner fest. Der Erfolg wird daran gemessen, ob der/die Waldpädagog*in versteht, dass im Waldklassenzimmer der Regelunterricht umgesetzt werden muss. Vor allem die Lehrkraft soll durch die Kooperation einen Mehrwert bekommen.

 

Wem gehört der Wald, in dem das Waldklassenzimmer ist? Gab/gibt es da Probleme mit der Verkehrssicherung? Wer kümmert sich darum?

Der Wald gehört entweder den Kommunen, Stiftungen, Privatpersonen oder ist Staatswald. Zu all den rechtlichen Themen und Fragen planen wir 2021 eine Online-Tagung in Zusammenarbeit mit den kommunalen Unfallversicherern.

 

Werden die Waldpädagog*innen für solche Formate speziell geschult?

Waldpädagog*innen müssen unbedingt für den Unterricht im Wald geschult werden, sonst ist die gemeinsame Zielsetzung nicht klar.

 

Welche Kosten entstehen?

Meist belaufen sich die Kosten in einem Rahmen von 500 bis 3.000€ und sind als Anschubfinanzierung für eine Erstausstattung zu sehen. Das können sein: Hocker, Trapezplane, Verkehrssicherungsmaßnahmen, Schilder, Schulungen, uvm.

 

Praxisorientierte Fragen beantwortet von der Mittelschule Zeil am Main und ihrem Waldklassenzimmer

 

Werden die Pädagog/innen für solche Formate speziell geschult?

Ich wurde nicht speziell geschult, habe aber versucht, die Inhalte aus dem Lehrplan in den Wald zu legen und viel experimentiert. Auf viele Ideen kommt man auch zusammen mit den Schülern. Als Sportlehrerin kommt mir jedoch zugute, dass ich es gewohnt bin, Kinder in Bewegung zu unterrichten. Aufstellungsformen und Signale helfen zum geordneten Zusammensein im Wald.

 

Darf man als Lehrkraft alleine mit der Klasse im Wald unterrichten?

Das Schulamt empfiehlt eine Zweitkraft. Letztendlich liegt diese Entscheidung aber in der Verantwortung des Schulleiters.

 

Gibt es in der Mittelschule Probleme mit dem "Fachlehrerprinzip"?

Nein, da ich an zwei Tagen meine Mittelschul - Klasse komplett unterrichte, also den Fächern Mathe, Deutsch, WIB, GPG und NT. So ist ein Projekt oder fächerübergreifender Unterricht gut möglich. Bei anderen Schularten, die fachspezifisch unterrichten, ist das bestimmt eine große Herausforderung.

 

Wie kann man kompetenzorientiertes Lernen fördern und in diesem Kontext auch abprüfen?

Teamarbeit kann als Sozialkompetenz durchaus in die Benotung einfließen, wie bei jeder Gruppenarbeit auch. Durch die schülerzentrierte Lehrweise ist kompetenzorientiertes Lernen im Wald sogar besser möglich, da sich die Lehrkraft als stiller Beobachter den Kompetenzen der Lernenden besser und individueller widmen kann als im engen Klassenraum. Schülerinnen und Schüler haben im Wald mehr Freiraum, um aktiv und kreativ zu sein, deshalb müssen sie Kompetenzen der Selbstständigkeit entwickeln.

Abgelenkt sind die Schüler*innen nicht. Der Wald kommt dem Bewegungsdrang der Kinder zu Gute. Je häufiger Kinder im Wald sind, desto intensiver wird ihre Beziehung zur Natur, desto mehr haben sie die Möglichkeit Nachhaltigkeit zu erlernen und zu erleben und in ihrem Alltag umzusetzen.

 

Was sind Grenzen und Schwierigkeiten beim Draußenunterricht?

Anfangs sollte man dem Wald als Unterrichtraum viel Zeit geben. Der Wald fasziniert die Kinder zu Beginn mehr als die Unterrichtsinhalte. Schwierig ist zudem die Wettersituation, das Etablieren von Regeln, die die Freiheit nutzbar machen und natürlich die Andersartigkeit im Unterrichten. Grundsätzlich nimmt sich der Lehrer eher zurück.

Der Unterricht draußen sollte bei jedem Wetter stattfinden. Kindern macht schlechtes Wetter oft weit weniger aus als gedacht. Lehrkräfte sollten dennoch für alle Eventualitäten gerüstet sein, wobei die Sicherheit immer an erster Stelle steht. Starker Sturm oder Schneefall machen den Aufenthalt im Wald gefährlich, da Bäume oder Äste abbrechen können. Überlegen Sie ob der Unterricht an solchen Tagen auch auf einem Feld oder einer Wiese stattfinden kann?

Zum Nachlesen über die Gefahren im Wald

 

Welche Möglichkeiten gibt es das in einer Großstadt, wo der Wald mind 45min mit der U-Bahn entfernt ist? Im Park ist viel Ablenkung.

Draußen unterrichten kann man nicht nur im Wald, sondern auch auf dem Sportplatz, im Atrium, auf dem Pausenhof, im Park (Vielleicht gibt es da eine ruhige Niesche). Waldtage können natürlich auch mit einer U- bahn Fahrt verknüpft werden. Ich kenne auch Schulen, die in der Stadt ein grünes Klassenzimmer / Schulgarten/ Grünfläche auf Pausenhof erschaffen, also sich ihre eigene, kleine, grüne Oase schaffen. Wir müssen den Mut und die Initiative entwickeln, das direkte Schulumfeld grün zu gestalten, damit man dort flächendeckend im Grünen unterrichten und lernen kann.

 

Denken Sie, dass auch große Klassen mit 29 Kindern leicht und gut händelbar sind?

Kleine Klassen bieten zwar mehr Möglichkeiten zur Individualisierung, jedoch sollte dies kein Hindernis sein, ich möchte alle dazu ermutigen, auch mit großen Klassen in den Wald zu gehen und zu erleben, dass Wald beruhigt und entspannt.

 

Wie viele Klassen der Mittelschule nutzen das Waldklassenzimmer?

Dieses Jahr startet die 5. Klasse als Pilotklasse. Die GREENSCHOOL soll dann aber auf alle Klassen ausgeweitet werden. Wichtig ist mir dabei, aufzuzeigen, dass man komplett im Wald unterrichten kann. Ziel soll es sein, in naher Zukunft auch von Montag bis Freitag in den Wald zu können, dies war stundenplantechnisch in diesem Jahr noch nicht möglich.

 

Gibt's auch Negativbeispiele? Also gibt es auch Kinder, die gar nicht gerne im Wald sind? Wenn ja, was macht man dann?

Anfangs hörte ich fast täglich Bedenken: „Ich habe keine Lust? Es ist so kalt! Ich mag nicht laufen!“ Meine Erfahrungen in den ersten drei Monaten damit waren:  Jeder Fall sollte individuell behandelt werden. Oft sind Probleme Tagesformabhängig und haben gar nichts mit dem Wald oder Schule zu tun. Zudem stößt Neues erst auf Widerstand, was sich durch die Routine aber selbst legt.  Bin ich selbst vom Wald begeistert, kann ich auch andere begeistern und dann überwiegen plötzlich die Vorteile des Waldes: Der Wald ist spannend, bietet Raum für Freiräume und Bewegung, man kann sich austoben, spielen und Kind sein. Dadurch ist auch der Unterricht realer und macht allen mehr Spaß.

 

Wie binden Sie den/ die örtlich zuständige*n Förster/in ein?

Ich habe einen sehr guten und kooperativen Kontakt zu unserem Förster. Wir haben zusammen Waldstationen „Zeilinos Waldpfad“ entwickelt. Im Frühjahr machen wir gemeinsame Waldbegehungen um unseren Wald noch näher kennenzulernen.

 

In welcher Regelmäßigkeit besuchen die einzelnen Klassen das Waldklassenzimmer?

Damit der Unterricht im Wald ein fester Bestandteil des Unterrichts wird, sollte er regelmäßig stattfinden. Den Rhythmus, ob einmal pro Woche oder eine Woche im Monat sinnvoll ist, entscheidet jede Schule für sich.

Meine 5. Klasse geht leider nur dienstags und mittwochs in den Wald. Die 7. Klasse geht 1 Mal im Monat in den Wald.

 

Antworten aus Forschung und Wissenschaft

 

Gibt es Initiativen den Draußenunterricht im Rahmen der COVID 19 Pandemie stärker in der Öffentlichkeit zu bewerben?

Hier haben wir von Seiten der TUM seit dem Sommer unsere wissenschaftlichen Sichtweisen und Erkenntnisse in verschiedenen Medienbeiträgen für die Öffentlichkeit kommuniziert bzw. es wurde das Thema von verschiedenen anderen Akteuren aufgegriffen:

 

Gibt es Ihrer Kenntnis nach auch Studien dazu, inwiefern der Draußenunterricht das Bewusstsein und die Einstellungen von Schülern zum Wald und zur Nachhaltigkeit beeinflusst?

Bisher gibt es sehr wenig Literatur bzw. Forschung dazu, inwieweit der Draußenunterricht einen Einfluss auf das Bewusstsein und die Einstellungen von SchülerInnen zum Wald und zur Nachhaltigkeit hat.

Viele internationale Studien beschäftigen sich mit Fragegestellungen, inwieweit die Naturverbundenheit und der damit oftmals einhergehende Aufenthalt in der Natur Auswirkungen auf verschiedene Gesundheitsfacetten haben kann.

Folgende Studien beschäftigen sich mit den Wirkungen der Natur:

 

Was können wir für die Vernetzung der Draußen-Schulen von Skandinavien lernen? Wie eine Vernetzung voranbringen in Deutschland? Welche Institutionen können dies stützen und finanzieren?

Die Vernetzung in Dänemark war und ist vor allem deshalb erfolgreich, weil engagierte und motivierte Lehrkräfte sich teils mehrmals pro Jahr getroffen haben, um Ideen, Konzepte und Unterrichtsmaterialien auszutauschen. Das persönliche Austausch und Kontakt war dabei von besonderer Bedeutung, davon lebt ein Netzwerk. Das dänische Netzwerk verfügt zudem aber auch über eine digitale Plattform, die seit vielen Jahren besteht.

Die Nützlichkeit solcher Plattformen ist dabei stark davon abhängig, wie gut die Inhalte gepflegt werden, wie intuitiv die Plattform ist und welchen Bekanntheitsgrad sie hat. Ganz aktuell ist eine weitere Vernetzung in Deutschland verstärkt in den digitalen Raum verlagert, aber das ändert sich hoffentlich im Verlaufe des Jahres 2021. Auch der bilaterale Austausch, auf regionaler Ebene, ist dabei sicher sehr wertvoll:  z.B. über Hospitationsmöglichkeiten bei erfahrenen Lehrkräften oder aber die Vermittlung von weiteren Kontakten zu lokalen Experten, die mit ihrem Fachwissen den Unterricht bereichern können.

Als ein Beispiel für eine digitale Plattform kann die Initiative „Draussen unterrichten“ aus der Schweiz genannt werden. Unter der Leitung der Stiftung SILVIVA und dem WWF Schweiz ist eine Mitmachplattform entstanden:

So ein Vorhaben bindet natürlich personelle und finanzielle Ressourcen, wofür interessierte Förderer gefunden werden müssen.

 

VIDEOS ZUR TAGUNG BAUM DES JAHRESSDW Video Kanal auf Youtube

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Vertreter der Bayerischen Forstwirtschaft