Was macht der Debarking Head? - Interview mit Joachim Heppelmann

Der „Debarking Head“, wörtlich übersetzt der Entrindende Kopf, verzückt die Forstwelt.

Im Fachjargon nennt man diesen Kopf Aggregat und er befindet sich an der Spitze des Harvesterarms. Ein gewöhnliches Aggregat konnte bisher den Baum fällen und in die gewünschten Längen schneiden. Modifiziert man das Aggregat mit Entrindungswalzen, den debarking heads, ist es jetzt auch möglich die Bäume im Wald zu entrinden. Vorteil: Dem Borkenkäfer wird schnellstmöglich der Brutraum entzogen und wichtige Nährstoffe, die sich in der Rinde befinden, bleiben dem Ökosystem Wald erhalten, werden zersetzt und von jungen Bäumen wieder aufgenommen.

 

Herr Heppelmann, was wollen Sie herausfinden?

Wir forschen an technischen Lösungsansätzen, die Rinde von Bäumen bei voll mechanisierter Holzernte im Bestand zu belassen, und bewerten diese ökonomisch wie ökologisch.

In Eukalyptusplantagen in Südamerika und Afrika kommen Harvester mit speziell für die Entrindung von Eukalyptus entwickelten Fällköpfen seit fast zwei Jahrzehnten erfolgreich zum Einsatz. In unserem Projekt wird diese Methode unter mitteleuropäischen Bedingungen getestet. Dazu werden konventionelle Fällköpfe umgerüstet und modifiziert. In Feldversuchen testen wir in Niedersachsen und Bayern die Prototypen unter verschiedenen Voraussetzungen, wie z. B. an unterschiedlichen Baumarten, Standorten, Bodentypen und zu den wechselnden Jahreszeiten.

Die Ergebnisse des ersten Projektes (Debarking Head I) zeigen, dass in der „Saftzeit“ schon mit geringen technischen Modifikationen von Fällköpfen bei Fichte und Kiefer ein Entrindungsprozent von ca. 90 % erreichbar ist. Außerhalb der Saftzeit konnten etwa 50 % erreicht werden. Über die gesamte Erntekette betrachtet, steht dem eine rund 10 % geringere Produktivität gegenüber. Außerdem können sich

besonders auf nährstoffärmeren Standorten geringere Entzüge der nährstoffreichen Rinde positiv auswirken. Zudem hat die Entrindung durch den Harvester bei der Fichte das Potenzial, die Waldschutzsituation (Borkenkäfer) und den daraus resultierenden Druck in der Holzlogistik und Vermarktung zu entspannen. 

Aufbauend auf den Ergebnissen aus Debarking Head I werden derzeit in einem angeschlossenen Projekt (Debarking Head II) der Einfluss der Entrindung auf die Transport-, Lager- und Verarbeitungsprozesse untersucht. Es sollen ökologische und ökonomische Vor- sowie Nachteile und die damit verbundenen Chancen und Risiken betrachtet und bewertet werden. Zusätzlich finden Untersuchungen zur Aufarbeitung von Käferholz in der finalen ökonomischen und ökologischen Bewertung Berücksichtigung.

 

Haben Sie die Lösung für das Borkenkäferproblem in Europa gefunden?

Natürlich kann der Borkenkäfer, wie mit jeder herkömmlichen Behandlungsmethode, mit unserem getesteten Verfahren nicht allumfassend unschädlich gemacht werden. Dennoch können wir mit unseren Debarking Heads ein äußerst vielversprechendes Verfahren zur Palette der Gegenmaßnahmen hinzufügen. Durch das Entrinden wird dem Borkenkäfer, ohne den Einsatz von Chemie, der Lebens- und Brutraum genommen, wodurch wir effektiv in den reproduktiven Prozess des Borkenkäfers eingreifen können. Inwieweit sich das Verfahren allerdings auch auf die ausgewachsenen Käfer auswirkt, wird derzeit noch weitergehend untersucht.

 

Wie sieht also der optimale Einsatzbereich der Debarking Heads aus? Wie läuft dieser Einsatz im Wald ab?

Derzeit empfehlen wir den Einsatz der Debarking Heads vor allem für die Aufarbeitung von Käferflächen sowie Sturmwurfflächen. Gerade bei der Bekämpfung des Borkenkäfers ist es wichtig, frühzeitig im Jahr mit der Entrindung zu beginnen, um idealerweise sofort in die erste Brutperiode des Borkenkäfers einzugreifen. Auch sollte der Bestand bereits nicht zu stark verjüngt sein, um Schäden an der Verjüngung zu minimieren und dem Fahrer eine gute Sicht zu garantieren. Auf nährstoffschwachen Gebieten kann ein Einsatz ebenfalls empfohlen werden, um die Nährstoffnachhaltigkeit auf diesen besonderen Standorten zu fördern.

 

 

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